Mein Weg zu meinen Werten.

Und was er mich gelehrt hat.

Wenn ich mir heute meiner Werte bewusst bin und als Unternehmerin und privat aus dem Gewinn schöpfe, den ein Leben nach meinen Werten mir bringt, dann weiss ich auch, dass das nicht immer der Fall war. Mein Weg zu Lebensqualität und Leistung hatte viele Stationen. Und an jeder habe ich viel erfahren und mitgenommen.

Als Kind schon durfte ich die ersten Lektionen des Unternehmertums von meiner Mutter lernen. Sie hatte ein Landhandelsunternehmen. Und klare Werte. Bei Geschäften hat sie stets Vertrauen geschenkt, Geben und Nehmen waren immer ausgeglichen. Auch ohne Social Media war sie die perfekte Netzwerkerin. Einmal durfte ich erleben, wie sie einen kompletten Zug Kunstdünger am Telefon verkaufte. Ganz beiläufig. Und ich habe erkannt, wie wichtig es ist, Kontakte mit aufrichtiger Persönlichkeit zu gestalten und den Zielen von anderen so viel Bedeutung beizumessen, wie den eigenen. Was Geschäftssinn und Fleiß bedeuten, habe ich ebenfalls von meiner Mutter gelernt. Doch auch, wie sehr ein Mensch leiden kann, wenn er gegen seine Natur arbeitet, wenn Beruf und Privatleben ausser Balance geraten.

Wie spannend eine Unternehmensgründung ist, durfte ich nach der Ausbildung zur Bankkauffrau während der Au-pair-Zeit in Fort Smith, Arkansas, erfahren: Up With People, eine Jugendorganisation, plante eine Musical-Show. Ich war Feuer und Flamme, habe mich beworben, wurde genommen. Das Programm wurde per Fundraising finanziert. Also erfand ich die Meike-Aktien, verkaufte sie meinen Gasteltern, Kollegen in der Bank, Freunden, Bekannten und Mitgliedern des Lions Club. Die Dividende: Reiseberichte von meiner Tour mit Up With People. Mein Fundraising-Ergebnis: 8.500 Dollar.

In nur sechs Wochen haben wir mit Up With People eine 2-stündige Show auf die Beine gestellt. Und nur ein Jahr darauf bin ich bereits 120 mal aufgetreten. Bis zu 4.000 Menschen in einer Show haben uns live erlebt. Und ich war zusätzlich um Begegnungen mit 80 Gastfamilien in fünf Ländern dieser Erde reicher. Die Freiheit, Erfolg selber gestalten zu können war eine Erfahrung, die mich gelehrt hat, dass es Limitierungen nur in unserem Kopf gibt. Und wir sie überwinden können.

Was bringt ein Studium der Kommunikationswissenschaften? Wertvolle Erkenntnisse, was meine wahren Werte sind. Denn die Gründung der ersten GmbH und die Zeit als Werksstudentin bei Porsche haben wir die Gewissheit gegeben, das das Unternehmertum im Mittelstand meine große Leidenschaft ist. Denn was ist schöner, als Verantwortung zu übernehmen, Ideen in neue Wertschöpfung zu verwandeln? Menschen zu inspirieren und ihnen eine Perspektive zu geben. Wachstum zu gestalten. In den Positionen als Vorstandsmitglied und Vorsitzende der Zukunfts- und Innovationskommission im Verband Junge Unternehmer, BJU, habe ich diese Leidenschaft etwas später umgesetzt. Und betreibe Wachstum auch ganz praktisch als allein erziehende Mutter meiner Tochter.

Wir alle kennen Situationen, die wir am liebsten vergessen würden. Weil wir vielleicht Wut, Schmerz, Enttäuschung mit ihnen verbinden. Oder unsere eigenen Grenzen akzeptieren mussten. Lange Jahre wollte auch ich die Prüfungen loswerden, die im Freitod meiner Mutter, der gescheiterten Ehe, der Beinahe-Insolvenz der Agentur und einem gesundheitlichen Zusammenbruch steckten. Heute bin ich dankbar für jede einzelne. An ihnen konnte ich wachsen, reifen und gestärkt zu meinen Werten finden. Mein wahres Ich entdecken und darein investieren. Zwei Turn-arounds meistern. „Welches Geschenk liegt verborgen in den vermeintlichen Problemen, die mich möglicherweise gerade beschäftigen?“ Diese Frage hilft mir auch heute immer wieder, meine Werte zu leben und mich weiter zu entwickeln.

Ich liebe Menschen, weil sie mir – wie Pferde auch – stets Rückmeldung geben. Mir viel verraten über mich selbst. Nur durch andere Menschen kann ich etwas über mich selbst lernen. Es geht nicht alleine oder durch Bücher.

Pferde sind ein idealer Spiegel für (Führungs-)Verhalten. Sie sprechen keine Sprache. Doch sie lesen Körper, Gesten und Mimik und die innere Haltung ihnen gegenüber. Wie Kinder sind sie im Hier und Jetzt. Sie merken sofort ob ihr Führer, ihr Leitpferd, mit voller Aufmerksamkeit ebenfalls im Hier und Jetzt ist. Oder nicht. Sie folgen nur, wenn man es auch wirklich will und klar zum Ausdruck bringt.

Pferde sind Fluchttiere. Aggressivität lässt sie fliehen. Es braucht Kooperation, Teamfähigkeit, Überzeugungskraft und Motivation, damit sie etwas für den Reiter tun. Und klare Führung. Sonst tanzen sie dem Reiter auf der Nase herum. Wenn man nicht weiss, wohin es gehen soll, geht es auch nicht voran.

Autos schenken uns Freiheit und die Möglichkeit, schnell an ein Ziel zu gelangen. Wir können nicht planlos in der Gegend herum fahren. Zu kostbar sind die Ressourcen Zeit und Benzin. Wir brauchen ein klares Ziel, müssen uns den Weg dahin überlegen. Vielleicht auch zwischendurch anpassen. Genau wie unseren Lebensweg.